Autor des geprüften Beitrags: Felix Perrefort Medium: nius.de Datum der Veröffentlichung: 22. Mai 2026 Stand des Faktenchecks: 23. Mai 2026
Der NIUS-Beitrag von Felix Perrefort ist kein wissenschaftlich seriöser Diskussionsbeitrag, sondern ein Lehrstück klassischer Klima-Desinformation. Er bündelt sämtliche Standardtechniken der Wissenschaftsleugnung, die in der peer-reviewten Forschungsliteratur als FLICC (Fake experts, Logical fallacies, Impossible expectations, Cherry-picking, Conspiracy theories) systematisiert sind1: er beruft sich auf fachfremde „Experten" (Ganteför, Fiedler, McIntyre), pickt sich aus einer methodenkritischen Studie genau die zwei Kurven heraus, die ins Narrativ passen, ignoriert die zentrale Aussage derselben Studie („strong warming since the 1980s"), verwechselt regionale mit globalen Befunden, baut einen Strohmann („die gesamte Klimapolitik beruht auf einer Kurve"), zitiert eine vor 16 Jahren von neun unabhängigen Untersuchungen entkräftete „Climategate"-Affäre als ungelösten Skandal und betreibt Quote-Mining bei einer privaten E-Mail Keith Briffas aus dem Jahr 1999.
Die zentrale Behauptung – die „Hockeyschläger"-Kurve sei methodisch zerbrochen und mit ihr „das Fundament aller Klima-Politik" – ist sachlich falsch. Sie widerspricht (a) dem aktuellen Stand der paläoklimatologischen Forschung wie im IPCC-Sechsten Sachstandsbericht (AR6, 2021) zusammengefasst, (b) der unabhängigen Nachrechnung durch Wahl & Ammann (2007), (c) dem PAGES-2k-Konsortium (Neukom et al. 2019) auf Basis eines globalen Multiproxy-Netzwerks, (d) dem Bericht des US-Nationalen Forschungsrats (NRC/North 2006) und (e) neun unabhängigen Climategate-Untersuchungen. Selbst wenn die Originalrekonstruktion MBH98/99 vollständig falsch wäre – was sie nicht ist –, bliebe der wissenschaftliche Befund der menschengemachten Erwärmung unverändert, weil er auf der Physik des CO₂ (Tyndall 1859, Arrhenius 1896), dem instrumentellen Temperaturrekord seit 1850, Attributionsstudien und unabhängigen Proxy-Archiven (Eisbohrkerne, Korallen, Seesedimente, Bohrlochthermometrie) beruht.
Im Folgenden werden die 13 zentralen Behauptungen einzeln gegen peer-reviewte Literatur geprüft.
Die NIUS-Betreibergesellschaft Vius SE & Co. KGaA wurde Ende September 2022 gegründet; die Plattform ging im Juli 2023 online. Sie wird finanziert von dem Unternehmer Frank Gotthardt (CompuGroup Medical) und geleitet von dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt2. Media Bias/Fact Check stuft Nius.de mit den expliziten Werten „Bias Rating: RIGHT 6.8" und „Factual Reporting: MIXED 5.0" ein und urteilt wörtlich: „Overall, we rate Nius.de as Right Biased due to its consistent promotion of conservative and populist viewpoints. Its factual reporting is rated as Mixed because of its reliance on opinion-driven content, sensationalist framing, and poor sourcing practices."3 NIUS publiziert regelmäßig Beiträge, die zentrale Ergebnisse der Klimaforschung in Frage stellen. Der Beitrag ist explizit als Meinungsartikel zu lesen und stützt sich nach eigener Angabe auf „gründliche Recherchen des Biologen und Lehrers Markus Fiedler" – einer Person ohne klimatologische Fachpublikationen.
Verdikt: falsch (Strohmann).
Die Attribution der anthropogenen Erwärmung beruht nicht primär auf paläoklimatischen Rekonstruktionen, sondern auf vier voneinander unabhängigen Beweissträngen:
Der IPCC-Sechste Sachstandsbericht (AR6, WG1, SPM, 2021) formuliert die Kernaussage A.1: „Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landfläche erwärmt hat"4. Diese Aussage stützt sich auf alle vier Stränge gemeinsam – sie wäre auch ohne die Hockeyschläger-Rekonstruktion zu treffen.
Rhetorische Technik: Strohmann-Argument (Logical Fallacy, FLICC).
Verdikt: in der Polemik irreführend, im Faktum jedoch zutreffend – mit umgekehrter Bedeutung.
Der Befund einer langfristig relativ stabilen Temperatur mit beispiellosem industriezeitlichem Anstieg hat sich seit 1998 in rund einem Dutzend unabhängiger globaler und hemisphärischer Rekonstruktionen bestätigt: Jones et al. 1998, Crowley & Lowery 2000, Esper, Cook & Schweingruber 2002, Moberg et al. 2005, Hegerl et al. 2006, Mann et al. 2008 (PNAS, mit 1.209 Proxies), PAGES 2k Consortium 2013, PAGES 2k Consortium 2019, Neukom et al. 2019 (Nature). Die Form der Kurve ist robust.
PAGES 2k Consortium 2019 formuliert explizit: „The largest warming trends at timescales of 20 years and longer occur during the second half of the 20th century, highlighting the unusual character of the warming in recent decades."5 Bei 94 % der Ensemble-Mitglieder liegt die wärmste 10-Jahres-Periode der letzten 2000 Jahre in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Der AR6 (2021) formuliert mit high confidence: „Global surface temperature has increased faster since 1970 than in any other 50-year period over at least the last 2000 years"6. Die Aussage ist heute stärker, breiter abgestützt und globaler als 1998.
Verdikt: in dieser absoluten Form widerlegt.
McIntyre & McKitrick (2005) hatten eine spezifische technische Eigenschaft der in MBH98 verwendeten Hauptkomponentenanalyse kritisiert – die Zentrierung auf die Kalibrierperiode 1902–1980 statt auf die volle Reihenlänge. Diese Beobachtung als solche ist methodisch korrekt; sie hat aber nachweislich keinen substantiellen Einfluss auf die resultierende Temperaturrekonstruktion: Egal welche Zentrierungskonvention verwendet wird, egal ob die Hauptkomponentenanalyse überhaupt eingesetzt wird oder ob man stattdessen alle Einzelproxies direkt nutzt – die Hockeyschläger-Form bleibt erhalten (Wahl & Ammann 2007). Die viel weitergehende Behauptung jedoch, der MBH-Algorithmus erzeuge „fast immer" einen Hockeyschläger aus reinem rotem Rauschen, ist methodisch unhaltbar – sie beruht, wie unten dargestellt, auf einem zirkulären Versuchsaufbau.
Drei unabhängige peer-reviewte Arbeiten haben die McIntyre-Kritik überprüft und widerlegt:
Wichtig: Die McIntyre/McKitrick-Kritik erschien in Geophysical Research Letters und Energy & Environment. Die Behauptung, der Algorithmus erzeuge „fast immer" Hockeyschläger aus rotem Rauschen, basiert auf einem zirkulären Versuchsaufbau: McIntyre & McKitrick erzeugten ihr „rotes Rauschen" mit so hohen Autokorrelationskoeffizienten, dass es die statistischen Eigenschaften der echten Proxy-Reihen imitierte – also genau die Hockeyschläger-Information enthielt, die sie angeblich aus Zufall erzeugen wollten (siehe Wahl & Ammann 2007, sowie Mann, Rutherford, Wahl & Ammann 2007 in Journal of Geophysical Research).
Rhetorische Technik: Logical Fallacy (Zirkelschluss), Fake Expert.
Verdikt: massives Cherry-Picking. Die Studie sagt das Gegenteil dessen, was im NIUS-Beitrag suggeriert wird.
Die im NIUS-Beitrag gemeinte Studie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Büntgen et al. (2021), Nature Communications 12: 3411, „The influence of decision-making in tree ring-based climate reconstructions"11. Tatsächlich erstellten 15 Forschergruppen unabhängig voneinander Rekonstruktionen aus dem identischen Baumringdatensatz. Die zentralen Befunde der Studie lauten jedoch:
Hauptautor Ulf Büntgen (Universität Cambridge) selbst: „important for transparency and truth — we believe in our data, and we're being open about the decisions that any climate scientist has to make."12
Der NIUS-Beitrag (bzw. McIntyre, auf den er sich beruft) pickt die Ensemble-Mitglieder mit dem stärksten Anstieg (R8, R10) und mit dem schwächsten Anstieg (R2, R12, R13) heraus und stellt sie als „Beleg für Beliebigkeit" gegenüber. Tatsächlich gibt der Ensemble-Mittelwert dieser 15 Rekonstruktionen genau die Form wieder, die der NIUS-Beitrag bestreitet.
Rhetorische Technik: Cherry-Picking (FLICC) – klassische Falschdarstellung einer Studie zugunsten der gegenteiligen Aussage.
Verdikt: irreführend; basiert auf einem Missverständnis des FAR (1990).
Die in Frage stehende Grafik ist Figure 7.1c des IPCC First Assessment Report (FAR, 1990). Wie Jones et al. (2009, The Holocene) detailliert dokumentiert haben:
Eine schematische Skizze einer einzelnen Region in einem 1990er Bericht als „früheren Konsens" auszugeben, den der IPCC später „getilgt" habe, ist historisch falsch.
Rhetorische Technik: Verschwörungserzählung („was getilgt"), Verwechslung regional/global.
Verdikt: irreführend; durch neun unabhängige Untersuchungen entkräftet.
Die 2009 veröffentlichten E-Mails der Climatic Research Unit (CRU) wurden in den folgenden Monaten und Jahren von neun unabhängigen Untersuchungen geprüft:
Keine dieser Untersuchungen fand wissenschaftliches Fehlverhalten.
Zum „Trick": Der „trick" in Phil Jones' E-Mail bezog sich auf eine Grafik für einen WMO-Bericht (1999, Titelblatt) und bedeutete in der wissenschaftlichen Umgangssprache schlicht „cleverer Kniff" – konkret das Anhängen instrumenteller Daten an eine Baumring-Rekonstruktion für diese spezifische Cover-Grafik. Das Divergenzproblem – die Tatsache, dass bestimmte hochbreiten-Baumringreihen nach ca. 1960 die instrumentelle Erwärmung unterschätzen – wird in der Fachliteratur seit Briffa et al. (1998) offen diskutiert und ist Gegenstand des Übersichtsartikels D'Arrigo et al. (2008), Global and Planetary Change 60: 289–30515.
Auch der Muir-Russell-Report stellte fest, dass die spezifische WMO-1999-Grafik in ihrer ikonischen Wirkung „misleading" gewesen sei – aber nicht, dass die zugrundeliegende Wissenschaft falsch sei. Die Behauptung, hier sei systematisch betrogen worden, ist mit den Untersuchungsergebnissen unvereinbar.
Rhetorische Technik: Verschwörungserzählung, selektive Auswahl von Kontext.
Verdikt: Quote-Mining aus einer privaten E-Mail.
Das im NIUS-Artikel zitierte Briffa-Zitat („Druck, eine schöne, aufgeräumte Geschichte zu präsentieren") stammt aus einer internen E-Mail vom September 1999, in der Briffa als Mitautor des dritten IPCC-Berichts intern eine wissenschaftliche Debatte führte. Solche internen Diskussionen sind normaler Teil des Begutachtungsprozesses und keine versteckten Geständnisse. Briffas publizierte Arbeiten – etwa Briffa et al. 2001 Journal of Geophysical Research, Briffa et al. 2008 Phil. Trans. Royal Society – zeigen alle den charakteristischen Hockeyschläger-Verlauf in den Daten, mit denen Briffa arbeitete. Die Diskussion in der E-Mail ging nicht um „Verheimlichung", sondern um den korrekten Umgang mit dem Divergenzproblem.
Eine einzelne private E-Mail-Zeile gegen ein Lebenswerk publizierter Forschung auszuspielen, ist klassisches Quote-Mining.
Rhetorische Technik: Cherry-Picking, Quote-Mining.
Verdikt: Fake Expert.
Gerd Ganteför ist emeritierter Professor für Experimentalphysik mit Schwerpunkt Cluster- und Nanophysik an der Universität Konstanz. Seine ~150 peer-reviewten Publikationen liegen im Bereich Nanowissenschaften (Photoemission von Metallclustern etc.), nicht in der Klimatologie oder Paläoklimatologie16. Er hat nach eigenen Angaben keine wissenschaftlichen Publikationen in klimatologischen Fachjournalen. Seine Bücher zur Klima- und Energiefrage sind populärwissenschaftliche Veröffentlichungen ohne Peer-Review im Fach.
Schon 2011 hatten Carl-Friedrich Schleussner und Anders Levermann (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) Ganteförs Buch in einer Gastrezension auf SciLogs/KlimaLounge ausdrücklich als „Laienklimatologie" kritisiert und festgestellt: „Wiley VCH setzt mit solchen Veröffentlichungen, die in keinster Weise wissenschaftlichen Standards genügen, die eigene Reputation aufs Spiel."17 Die Berufung auf einen fachfremden Experten ist das prototypische FLICC-Element „Fake Expert".
Das ist kein Argument gegen Ganteförs fachliche Leistung in der Clusterphysik – sondern lediglich die Feststellung, dass paläoklimatologische Methodenfragen außerhalb seines Fachgebiets liegen.
Rhetorische Technik: Fake Expert (FLICC).
Verdikt: falsch.
Figure SPM.1 des AR6 (2021) zeigt:
Der Übergang ist kein Artefakt der Methodenwahl, sondern ein Stresstest: Die paläoklimatische Rekonstruktion kalibriert sich gerade an dem überlappenden Bereich. Hätten die beiden Datenquellen widersprüchliche Werte für 1850–1950 ergeben, wäre dies sofort auffällig. Sie tun das nicht.
Die Aussage „wärmste Multi-Jahrhundert-Periode der letzten 100.000 Jahre" stützt sich auf Kaufman et al. (2020), Scientific Data 7: 201 (Holocene Temperature 12k database mit 1.319 Proxy-Reihen)18 sowie auf Marcott et al. (2013) und weitere Studien. Das wärmste Holozän-Maximum lag laut Kaufman et al. (2020) bei etwa 0,7 °C über dem 19. Jahrhundert (Median, vor ca. 6.500 Jahren); die Dekade 2011–2020 liegt darüber.
Rhetorische Technik: Impossible Expectations / falsche Darstellung methodischer Standards.
Verdikt: Strohmann.
Wie unter Punkt 1 ausgeführt: Klimapolitische Entscheidungen ruhen auf einem mehrsträngigen Beweisgebäude, dessen Tragfähigkeit nicht von einer einzelnen Rekonstruktion abhängt. Selbst wenn man MBH98/99 vollständig streichen würde, blieben:
Die Behauptung, die Klimapolitik kollabiere mit dem Hockeyschläger, ist eine politisch motivierte Reduktion, kein wissenschaftlicher Befund.
Rhetorische Technik: Strohmann, Logical Fallacy.
Verdikt: falsch in beiden Teilaussagen.
PAGES 2k Consortium (2019) verwendet ein globales Multiproxy-Netzwerk aus 286 Datensätzen mit folgenden Archivtypen: Baumringe (häufigster, aber nicht einziger Typ), Korallen, Eisbohrkerne, Seesedimente, marine Sedimente, Sclerosponges, Bivalvia (Muscheln), Speleotheme und dokumentarische Quellen. Die zentrale Aussage der Studie: „Our inferences on the multi-decadal GMST variability for the Common Era are robust to all these permutations."19
Mann et al. (2008, PNAS) zeigte explizit: „Recent warmth appears anomalous for at least the past 1,300 years whether or not tree-ring data are used."20 – das Hockeyschläger-Signal bleibt auch ohne Baumringe bestehen.
Eisbohrkerne und Korallen haben eigene methodische Herausforderungen (Datierungsunsicherheit, saisonale Verzerrung), sind aber Teil desselben Multiproxy-Konsens.
Rhetorische Technik: Selektives Misstrauen.
Verdikt: regional richtig, global falsch.
Die Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA, ca. 950–1250 CE) war ein regional sehr heterogenes Phänomen. Neukom, Steiger, Gómez-Navarro et al. (2019), Nature 571: 550–554, „No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era"21, zeigten anhand globaler Paläoklima-Rekonstruktionen, dass die wärmste Multi-Dekaden-Periode der letzten 2000 Jahre nicht zeitgleich an verschiedenen Orten auftrat:
Im Gegensatz dazu zeigt die jüngste Erwärmung „nearly global coherence". Wörtlich aus Neukom et al. 2019: „anthropogenic global warming is not only unparalleled in terms of absolute temperatures, but also unprecedented in spatial consistency within the context of the past 2,000 years."
Die Wikinger-Siedlungen in Südwestgrönland (Eystribyggð, Vestribyggð) sind ein regional gültiger Beleg für nordatlantische Erwärmung, kein Beleg für globale Synchronität. Die Schlussfolgerung von regional auf global ist ein Klassiker fehlerhafter Argumentation.
Rhetorische Technik: Hasty Generalization / Verwechslung regional/global.
Verdikt: falsch; Problem ist begrenzt und bekannt.
D'Arrigo, Wilson, Liepert & Cherubini (2008), Global and Planetary Change 60: 289–305, geben einen Übersichtsartikel zum „divergence problem" – einer post-1960-Tendenz bestimmter hochbreiten/höhenlagen-Baumringe (insbesondere Picea-Arten), die instrumentelle Erwärmung zu unterschätzen. Das Phänomen ist:
Wichtig: Das Divergenzproblem betrifft die Kalibrierungsperiode und somit Fragen der Sensitivität, nicht aber den Befund einer beispiellosen jüngsten Erwärmung – denn diese ist instrumentell gemessen, nicht aus Baumringen rekonstruiert.
Rhetorische Technik: Impossible Expectations / Generalisierung eines Teilproblems.
Stephen McIntyre hat keine einzige peer-reviewte Rekonstruktion publiziert, die einen alternativen Verlauf der letzten 1.000–2.000 Jahre liefert. Sein Output besteht überwiegend aus Blog-Beiträgen (ClimateAudit) und einer geringen Zahl von Comment-Artikeln in Geophysical Research Letters und Energy & Environment (letzteres ist keine etablierte klimatologische Fachzeitschrift). Diese Asymmetrie – fortlaufende Kritik ohne konstruktiven Beitrag – ist symptomatisch für „adversariale" Wissenschafts-Skepsis.
Praktisch nichts.
Der Beitrag bedient gezielt das Misstrauen gegen Wissenschaft und politische Institutionen – nicht durch Vorlage neuer Daten, sondern durch Wiederaufkochen von Argumenten, die zum großen Teil seit 16–20 Jahren in der Fachliteratur abgehakt sind. Er entspricht in Form und Funktion dem, was Lewandowsky und Cook (2020) als „technique-based misinformation" beschreiben.
Peer-reviewte Primärliteratur (zitiert):
Berichte unabhängiger Untersuchungen (Climategate):
Disinformations- und Wissenschaftskommunikationsforschung:
Geprüfter Primärtext:
Dieser Faktencheck wurde nach den Standards evidenzbasierter Wissenschaftskommunikation erstellt. Verbatim-Zitate aus den peer-reviewten Quellen sind durch Anführungszeichen und Seitenangaben gekennzeichnet. Die Klassifikation als „Desinformation" folgt der wissenschaftlichen Definition von Lewandowsky & Cook (2020): die irreführende Darstellung wissenschaftlicher Befunde unter Anwendung systematischer rhetorischer Techniken (FLICC), unabhängig von der subjektiven Absicht des Autors.
Cook, J., Lewandowsky, S. & Ecker, U.K.H. (2017). Neutralizing misinformation through inoculation. PLOS ONE 12(5): e0175799. Siehe auch Cook, J. (2020), Cranky Uncle vs. Climate Change. Die FLICC-Taxonomie: Fake experts, Logical fallacies, Impossible expectations, Cherry picking, Conspiracy theories. ↩
Media Ownership Monitor Germany, Einträge zu „Nius" und „Julian Reichelt": https://germany.mom-gmr.org. Wikipedia, „Nius" (de.wikipedia.org/wiki/Nius): Betreibergesellschaft Vius SE & Co. KGaA gegründet September 2022, Plattform online seit Juli 2023. ↩
Media Bias/Fact Check, Eintrag „Nius.de" (https://mediabiasfactcheck.com/nius-de-bias-and-credibility/): Bias Rating RIGHT 6.8, Factual Reporting MIXED 5.0. Wörtliches Gesamturteil: „Overall, we rate Nius.de as Right Biased due to its consistent promotion of conservative and populist viewpoints. Its factual reporting is rated as Mixed because of its reliance on opinion-driven content, sensationalist framing, and poor sourcing practices." Vgl. auch Ayyadi, K. (2023) „Nius: Fox News in German?", Media Diversity Institute; Paulitsch, L. (2024) „Counter-narratives for self-thinkers", Journalism Research 2/2024. ↩
IPCC, 2021: Summary for Policymakers. Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of WG I to the AR6. Cambridge University Press. Aussage A.1, S. 4. ↩
PAGES 2k Consortium (Neukom et al.) (2019). Consistent multi-decadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. Nature Geoscience 12(8): 643–649, hier S. 643 (Abstract). DOI: 10.1038/s41561-019-0400-0. ↩
IPCC AR6 WG1 SPM (2021), Aussage A.2.2, S. 8. ↩
Wahl, E. R. & Ammann, C. M. (2007). Robustness of the Mann, Bradley, Hughes reconstruction of Northern Hemisphere surface temperatures. Climatic Change 85(1–2): 33–69, Abstract S. 33. ↩
Ebd., Abstract S. 33. ↩
Ebd., Abstract S. 33. Die ausführliche statistische Argumentation und der RE-Test finden sich im Hauptteil (Abschnitt „Direct Analyses", ca. S. 51–56). ↩
National Research Council (2006). Surface Temperature Reconstructions for the Last 2,000 Years. Washington DC: National Academies Press. doi:10.17226/11676, Zusammenfassung S. 3. ↩
Büntgen, U. et al. (2021). The influence of decision-making in tree ring-based climate reconstructions. Nature Communications 12: 3411. DOI: 10.1038/s41467-021-23627-6. ↩
Pressemitteilung der University of Cambridge / ScienceDaily, 7. Juni 2021: „Experiment evaluates the effect of human decisions on climate reconstructions." ↩
Jones, P. D., Briffa, K. R., Osborn, T. J. et al. (2009). High-resolution palaeoclimatology of the last millennium: a review of current status and future prospects. The Holocene 19: 3–49. ↩
Zusammenstellung der neun Untersuchungen siehe SkepticalScience („What do the ‚Climategate' hacked CRU emails tell us?"); primäre Quellen: Penn State Final Investigation Report (Juni 2010); Muir Russell Independent Climate Change Email Review (Juli 2010); Oxburgh Scientific Assessment Panel Report (April 2010); UK House of Commons Science and Technology Committee, „The disclosure of climate data from the Climatic Research Unit at the University of East Anglia" (März 2010); US EPA Endangerment Finding Review (Juli 2010); NSF Office of Inspector General Closeout Memorandum, Case Number A09120086 (August 2011). ↩
D'Arrigo, R., Wilson, R., Liepert, B. & Cherubini, P. (2008). On the „divergence problem" in northern forests: A review of the tree-ring evidence and possible causes. Global and Planetary Change 60(3–4): 289–305. ↩
Universitätsbiographie und Wikipedia, „Gerd Ganteför": Habilitation am Forschungszentrum Jülich 1996 im Bereich Cluster- und Festkörperphysik; Forschungsschwerpunkt Photoemission von Metall- und Van-der-Waals-Clustern. Sein YouTube-Kanal „Grenzen des Wissens" ist populärwissenschaftlich. ↩
Schleussner, C.-F. & Levermann, A. (2011). „Ganteförs Laienklimatologie." Gastbeitrag auf SciLogs/KlimaLounge, 15. Februar 2011 (https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/gantefors-lainenklimatologie/); archiviert bei PIK Potsdam (publications.pik-potsdam.de, item_16732_1). ↩
Kaufman, D., McKay, N., Routson, C. et al. (2020). Holocene global mean surface temperature, a multi-method reconstruction approach. Scientific Data 7: 201. DOI: 10.1038/s41597-020-0530-7. ↩
PAGES 2k Consortium 2019 (Neukom et al.), zitiert nach PMC-Volltext (PMC6675609), Diskussion (entspricht S. 647 der gedruckten Version). ↩
Mann, M. E., Zhang, Z., Hughes, M. K. et al. (2008). Proxy-based reconstructions of hemispheric and global surface temperature variations over the past two millennia. PNAS 105(36): 13252–13257, Abstract. ↩
Neukom, R., Steiger, N., Gómez-Navarro, J. J., Wang, J. & Werner, J. P. (2019). No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. Nature 571: 550–554. DOI: 10.1038/s41586-019-1401-2. ↩
Cook, J., Oreskes, N., Doran, P. T. et al. (2016). Consensus on consensus: a synthesis of consensus estimates on human-caused global warming. Environmental Research Letters 11: 048002. Lynas, M., Houlton, B. Z. & Perry, S. (2021). Greater than 99% consensus on human caused climate change in the peer-reviewed scientific literature. Environmental Research Letters 16: 114005. Cornell-Pressemitteilung zum Lynas-Paper (20. Oktober 2021): „We are virtually certain that the consensus is well over 99% now." ↩