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Faktencheck: „Von Baumringen und Hockeyschlägern" (NIUS, 22. Mai 2026)

Autor des geprüften Beitrags: Felix Perrefort Medium: nius.de Datum der Veröffentlichung: 22. Mai 2026 Stand des Faktenchecks: 23. Mai 2026


Gesamturteil: Desinformation

Der NIUS-Beitrag von Felix Perrefort ist kein wissenschaftlich seriöser Diskussionsbeitrag, sondern ein Lehrstück klassischer Klima-Desinformation. Er bündelt sämtliche Standardtechniken der Wissenschaftsleugnung, die in der peer-reviewten Forschungsliteratur als FLICC (Fake experts, Logical fallacies, Impossible expectations, Cherry-picking, Conspiracy theories) systematisiert sind1: er beruft sich auf fachfremde „Experten" (Ganteför, Fiedler, McIntyre), pickt sich aus einer methodenkritischen Studie genau die zwei Kurven heraus, die ins Narrativ passen, ignoriert die zentrale Aussage derselben Studie („strong warming since the 1980s"), verwechselt regionale mit globalen Befunden, baut einen Strohmann („die gesamte Klimapolitik beruht auf einer Kurve"), zitiert eine vor 16 Jahren von neun unabhängigen Untersuchungen entkräftete „Climategate"-Affäre als ungelösten Skandal und betreibt Quote-Mining bei einer privaten E-Mail Keith Briffas aus dem Jahr 1999.

Die zentrale Behauptung – die „Hockeyschläger"-Kurve sei methodisch zerbrochen und mit ihr „das Fundament aller Klima-Politik" – ist sachlich falsch. Sie widerspricht (a) dem aktuellen Stand der paläoklimatologischen Forschung wie im IPCC-Sechsten Sachstandsbericht (AR6, 2021) zusammengefasst, (b) der unabhängigen Nachrechnung durch Wahl & Ammann (2007), (c) dem PAGES-2k-Konsortium (Neukom et al. 2019) auf Basis eines globalen Multiproxy-Netzwerks, (d) dem Bericht des US-Nationalen Forschungsrats (NRC/North 2006) und (e) neun unabhängigen Climategate-Untersuchungen. Selbst wenn die Originalrekonstruktion MBH98/99 vollständig falsch wäre – was sie nicht ist –, bliebe der wissenschaftliche Befund der menschengemachten Erwärmung unverändert, weil er auf der Physik des CO₂ (Tyndall 1859, Arrhenius 1896), dem instrumentellen Temperaturrekord seit 1850, Attributionsstudien und unabhängigen Proxy-Archiven (Eisbohrkerne, Korallen, Seesedimente, Bohrlochthermometrie) beruht.

Im Folgenden werden die 13 zentralen Behauptungen einzeln gegen peer-reviewte Literatur geprüft.


Hintergrund: Wer ist NIUS, wer ist der Autor?

Die NIUS-Betreibergesellschaft Vius SE & Co. KGaA wurde Ende September 2022 gegründet; die Plattform ging im Juli 2023 online. Sie wird finanziert von dem Unternehmer Frank Gotthardt (CompuGroup Medical) und geleitet von dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt2. Media Bias/Fact Check stuft Nius.de mit den expliziten Werten „Bias Rating: RIGHT 6.8" und „Factual Reporting: MIXED 5.0" ein und urteilt wörtlich: „Overall, we rate Nius.de as Right Biased due to its consistent promotion of conservative and populist viewpoints. Its factual reporting is rated as Mixed because of its reliance on opinion-driven content, sensationalist framing, and poor sourcing practices."3 NIUS publiziert regelmäßig Beiträge, die zentrale Ergebnisse der Klimaforschung in Frage stellen. Der Beitrag ist explizit als Meinungsartikel zu lesen und stützt sich nach eigener Angabe auf „gründliche Recherchen des Biologen und Lehrers Markus Fiedler" – einer Person ohne klimatologische Fachpublikationen.


Behauptung 1: „Die globale Klima-Politik beruht primär auf einer Temperaturrekonstruktion der letzten 1000–2000 Jahre"

Verdikt: falsch (Strohmann).

Die Attribution der anthropogenen Erwärmung beruht nicht primär auf paläoklimatischen Rekonstruktionen, sondern auf vier voneinander unabhängigen Beweissträngen:

  1. Strahlungsphysik des CO₂, experimentell nachgewiesen von John Tyndall (1859) und quantitativ von Svante Arrhenius (1896) – also rund 100 Jahre vor MBH98.
  2. Instrumenteller Temperaturrekord seit 1850 (HadCRUT, GISTEMP, NOAA, Berkeley Earth, JMA).
  3. Attributionsstudien mit Fingerprint-Methoden (z. B. Hegerl et al., Stott et al., Bindoff et al. in AR5 und AR6 Kap. 3).
  4. Paläoklimatischer Kontext, der nur ein – wenn auch wichtiger – Baustein ist.

Der IPCC-Sechste Sachstandsbericht (AR6, WG1, SPM, 2021) formuliert die Kernaussage A.1: „Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landfläche erwärmt hat"4. Diese Aussage stützt sich auf alle vier Stränge gemeinsam – sie wäre auch ohne die Hockeyschläger-Rekonstruktion zu treffen.

Rhetorische Technik: Strohmann-Argument (Logical Fallacy, FLICC).


Behauptung 2: „Das Hockeyschläger-Prinzip beherrscht weiterhin die Wissenschaft"

Verdikt: in der Polemik irreführend, im Faktum jedoch zutreffend – mit umgekehrter Bedeutung.

Der Befund einer langfristig relativ stabilen Temperatur mit beispiellosem industriezeitlichem Anstieg hat sich seit 1998 in rund einem Dutzend unabhängiger globaler und hemisphärischer Rekonstruktionen bestätigt: Jones et al. 1998, Crowley & Lowery 2000, Esper, Cook & Schweingruber 2002, Moberg et al. 2005, Hegerl et al. 2006, Mann et al. 2008 (PNAS, mit 1.209 Proxies), PAGES 2k Consortium 2013, PAGES 2k Consortium 2019, Neukom et al. 2019 (Nature). Die Form der Kurve ist robust.

PAGES 2k Consortium 2019 formuliert explizit: „The largest warming trends at timescales of 20 years and longer occur during the second half of the 20th century, highlighting the unusual character of the warming in recent decades."5 Bei 94 % der Ensemble-Mitglieder liegt die wärmste 10-Jahres-Periode der letzten 2000 Jahre in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der AR6 (2021) formuliert mit high confidence: „Global surface temperature has increased faster since 1970 than in any other 50-year period over at least the last 2000 years"6. Die Aussage ist heute stärker, breiter abgestützt und globaler als 1998.


Behauptung 3: McIntyre & McKitrick zeigten, der MBH98/99-Algorithmus erzeuge „fast immer einen Hockeyschläger aus rotem Rauschen"

Verdikt: in dieser absoluten Form widerlegt.

McIntyre & McKitrick (2005) hatten eine spezifische technische Eigenschaft der in MBH98 verwendeten Hauptkomponentenanalyse kritisiert – die Zentrierung auf die Kalibrierperiode 1902–1980 statt auf die volle Reihenlänge. Diese Beobachtung als solche ist methodisch korrekt; sie hat aber nachweislich keinen substantiellen Einfluss auf die resultierende Temperaturrekonstruktion: Egal welche Zentrierungskonvention verwendet wird, egal ob die Hauptkomponentenanalyse überhaupt eingesetzt wird oder ob man stattdessen alle Einzelproxies direkt nutzt – die Hockeyschläger-Form bleibt erhalten (Wahl & Ammann 2007). Die viel weitergehende Behauptung jedoch, der MBH-Algorithmus erzeuge „fast immer" einen Hockeyschläger aus reinem rotem Rauschen, ist methodisch unhaltbar – sie beruht, wie unten dargestellt, auf einem zirkulären Versuchsaufbau.

Drei unabhängige peer-reviewte Arbeiten haben die McIntyre-Kritik überprüft und widerlegt:

  • Wahl & Ammann (2007), Climatic Change 85: 33–69. Die Autoren rechneten die Rekonstruktion vollständig nach – mit und ohne Hauptkomponentenanalyse, mit und ohne die strittigen Borstenkiefer-Reihen. Wörtlich (Abstract, S. 33): „the Mann et al. reconstruction is robust against the proxy-based criticisms addressed."7 Ebenfalls S. 33: „reconstructed hemispheric temperatures are demonstrated to be largely unaffected by the use or non-use of PCs."8 Zu McIntyres alternativen Rekonstruktionen mit hohen Temperaturen im 15. Jahrhundert: „without statistical and climatological merit."9 Entscheidend: Diese Alternativ-Rekonstruktionen fielen durch den Reduction-of-Error-Test (RE), den Standardtest für Validität.
  • Huybers (2005), Geophysical Research Letters, zeigte, dass McIntyres Verfahren selbst Verzerrungen einführt.
  • Wahl, Ritson & Ammann (2006), Science, antworteten auf von Storch et al. (2004) und zeigten, dass die behauptete Amplitudenunterschätzung deutlich geringer ist als behauptet; von Storch räumte später ein, der Effekt sei klein.
  • NRC/North-Bericht (2006), Surface Temperature Reconstructions for the Last 2,000 Years: Der National Research Council bestätigte die methodischen Kritikpunkte als teilweise berechtigt, hielt aber an der Kernaussage fest: „high level of confidence that global mean surface temperature was higher during the last few decades of the 20th century than during any comparable period during the preceding four centuries"10.

Wichtig: Die McIntyre/McKitrick-Kritik erschien in Geophysical Research Letters und Energy & Environment. Die Behauptung, der Algorithmus erzeuge „fast immer" Hockeyschläger aus rotem Rauschen, basiert auf einem zirkulären Versuchsaufbau: McIntyre & McKitrick erzeugten ihr „rotes Rauschen" mit so hohen Autokorrelationskoeffizienten, dass es die statistischen Eigenschaften der echten Proxy-Reihen imitierte – also genau die Hockeyschläger-Information enthielt, die sie angeblich aus Zufall erzeugen wollten (siehe Wahl & Ammann 2007, sowie Mann, Rutherford, Wahl & Ammann 2007 in Journal of Geophysical Research).

Rhetorische Technik: Logical Fallacy (Zirkelschluss), Fake Expert.


Behauptung 4: „15 Forschergruppen produzierten dramatisch unterschiedliche Rekonstruktionen aus identischen Daten" (Büntgen et al. 2021)

Verdikt: massives Cherry-Picking. Die Studie sagt das Gegenteil dessen, was im NIUS-Beitrag suggeriert wird.

Die im NIUS-Beitrag gemeinte Studie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Büntgen et al. (2021), Nature Communications 12: 3411, „The influence of decision-making in tree ring-based climate reconstructions"11. Tatsächlich erstellten 15 Forschergruppen unabhängig voneinander Rekonstruktionen aus dem identischen Baumringdatensatz. Die zentralen Befunde der Studie lauten jedoch:

  1. „Taken together as an ensemble, the Common Era reconstruction mean correlates with instrumental temperatures from 1794–2016 CE at 0.79 (p < 0.001)." — Die Korrelation mit gemessenen Temperaturen ist hoch und hochsignifikant.
  2. „reveals summer cooling in the years following large volcanic eruptions, and exhibits strong warming since the 1980s." — Die Studie bestätigt die jüngste Erwärmung explizit.
  3. Die Empfehlung der Autoren lautet ausdrücklich, Ensemble-Ansätze zu verwenden, um robuster gegen Methodenwahl zu sein. Die Studie ist also kein Beleg für „Beliebigkeit", sondern ein methodischer Fortschritt.

Hauptautor Ulf Büntgen (Universität Cambridge) selbst: „important for transparency and truth — we believe in our data, and we're being open about the decisions that any climate scientist has to make."12

Der NIUS-Beitrag (bzw. McIntyre, auf den er sich beruft) pickt die Ensemble-Mitglieder mit dem stärksten Anstieg (R8, R10) und mit dem schwächsten Anstieg (R2, R12, R13) heraus und stellt sie als „Beleg für Beliebigkeit" gegenüber. Tatsächlich gibt der Ensemble-Mittelwert dieser 15 Rekonstruktionen genau die Form wieder, die der NIUS-Beitrag bestreitet.

Rhetorische Technik: Cherry-Picking (FLICC) – klassische Falschdarstellung einer Studie zugunsten der gegenteiligen Aussage.


Behauptung 5: „Der IPCC-Bericht von 1990 zeigte die Mittelalterliche Warmzeit und die Kleine Eiszeit klar – das wurde später entfernt"

Verdikt: irreführend; basiert auf einem Missverständnis des FAR (1990).

Die in Frage stehende Grafik ist Figure 7.1c des IPCC First Assessment Report (FAR, 1990). Wie Jones et al. (2009, The Holocene) detailliert dokumentiert haben:

  • Die Grafik war explizit als „schematic diagram" beschriftet, ohne Skala der y-Achse.
  • Sie basierte auf Hubert Lambs Arbeiten zu Zentralenglandtemperaturen – also einer regionalen, nicht globalen Reihe – mit „no explicit calibration against instrumental data, just Lamb's qualitative judgement and interpretation"13.
  • Der FAR selbst bemerkte schon 1990, dass nicht klar sei, „whether all the fluctuations indicated were truly global" (FAR, S. 202).
  • Die Grafik wurde nicht „entfernt", weil eine Verschwörung sie unterdrücken wollte, sondern weil sie durch echte quantitative Multiproxy-Rekonstruktionen ab den 1990er Jahren überholt wurde – beginnend mit Bradley & Jones 1993, weitergeführt von Mann et al. 1998/1999.

Eine schematische Skizze einer einzelnen Region in einem 1990er Bericht als „früheren Konsens" auszugeben, den der IPCC später „getilgt" habe, ist historisch falsch.

Rhetorische Technik: Verschwörungserzählung („was getilgt"), Verwechslung regional/global.


Behauptung 6: „Die Climategate-E-Mails zeigten methodische Probleme und einen ‚Nature-Trick' zum ‚Verbergen des Rückgangs'"

Verdikt: irreführend; durch neun unabhängige Untersuchungen entkräftet.

Die 2009 veröffentlichten E-Mails der Climatic Research Unit (CRU) wurden in den folgenden Monaten und Jahren von neun unabhängigen Untersuchungen geprüft:

  1. UK House of Commons Science and Technology Committee (März 2010)
  2. Lord Oxburgh Science Assessment Panel (April 2010)
  3. Penn State Inquiry (Februar 2010, vorläufig)
  4. Penn State Final Investigation Report (Juni 2010): „there is no substance to the allegation against Dr. Michael E. Mann."
  5. Muir Russell Independent Climate Change Email Review (Juli 2010)
  6. UK Government Response (September 2010)
  7. US EPA Endangerment Finding Review (Juli 2010)
  8. US Department of Commerce Inspector General Review (Februar 2011)
  9. US National Science Foundation Final Inquiry (August 2011): „Finding no research misconduct... this case is closed."14

Keine dieser Untersuchungen fand wissenschaftliches Fehlverhalten.

Zum „Trick": Der „trick" in Phil Jones' E-Mail bezog sich auf eine Grafik für einen WMO-Bericht (1999, Titelblatt) und bedeutete in der wissenschaftlichen Umgangssprache schlicht „cleverer Kniff" – konkret das Anhängen instrumenteller Daten an eine Baumring-Rekonstruktion für diese spezifische Cover-Grafik. Das Divergenzproblem – die Tatsache, dass bestimmte hochbreiten-Baumringreihen nach ca. 1960 die instrumentelle Erwärmung unterschätzen – wird in der Fachliteratur seit Briffa et al. (1998) offen diskutiert und ist Gegenstand des Übersichtsartikels D'Arrigo et al. (2008), Global and Planetary Change 60: 289–30515.

Auch der Muir-Russell-Report stellte fest, dass die spezifische WMO-1999-Grafik in ihrer ikonischen Wirkung „misleading" gewesen sei – aber nicht, dass die zugrundeliegende Wissenschaft falsch sei. Die Behauptung, hier sei systematisch betrogen worden, ist mit den Untersuchungsergebnissen unvereinbar.

Rhetorische Technik: Verschwörungserzählung, selektive Auswahl von Kontext.


Behauptung 7: Briffas Zitat „die jüngste Warmperiode wurde wahrscheinlich schon vor 1000 Jahren erreicht" als Widerlegung des Hockeyschlägers

Verdikt: Quote-Mining aus einer privaten E-Mail.

Das im NIUS-Artikel zitierte Briffa-Zitat („Druck, eine schöne, aufgeräumte Geschichte zu präsentieren") stammt aus einer internen E-Mail vom September 1999, in der Briffa als Mitautor des dritten IPCC-Berichts intern eine wissenschaftliche Debatte führte. Solche internen Diskussionen sind normaler Teil des Begutachtungsprozesses und keine versteckten Geständnisse. Briffas publizierte Arbeiten – etwa Briffa et al. 2001 Journal of Geophysical Research, Briffa et al. 2008 Phil. Trans. Royal Society – zeigen alle den charakteristischen Hockeyschläger-Verlauf in den Daten, mit denen Briffa arbeitete. Die Diskussion in der E-Mail ging nicht um „Verheimlichung", sondern um den korrekten Umgang mit dem Divergenzproblem.

Eine einzelne private E-Mail-Zeile gegen ein Lebenswerk publizierter Forschung auszuspielen, ist klassisches Quote-Mining.

Rhetorische Technik: Cherry-Picking, Quote-Mining.


Behauptung 8: Gerd Ganteför als Autorität gegen den Hockeyschläger

Verdikt: Fake Expert.

Gerd Ganteför ist emeritierter Professor für Experimentalphysik mit Schwerpunkt Cluster- und Nanophysik an der Universität Konstanz. Seine ~150 peer-reviewten Publikationen liegen im Bereich Nanowissenschaften (Photoemission von Metallclustern etc.), nicht in der Klimatologie oder Paläoklimatologie16. Er hat nach eigenen Angaben keine wissenschaftlichen Publikationen in klimatologischen Fachjournalen. Seine Bücher zur Klima- und Energiefrage sind populärwissenschaftliche Veröffentlichungen ohne Peer-Review im Fach.

Schon 2011 hatten Carl-Friedrich Schleussner und Anders Levermann (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) Ganteförs Buch in einer Gastrezension auf SciLogs/KlimaLounge ausdrücklich als „Laienklimatologie" kritisiert und festgestellt: „Wiley VCH setzt mit solchen Veröffentlichungen, die in keinster Weise wissenschaftlichen Standards genügen, die eigene Reputation aufs Spiel."17 Die Berufung auf einen fachfremden Experten ist das prototypische FLICC-Element „Fake Expert".

Das ist kein Argument gegen Ganteförs fachliche Leistung in der Clusterphysik – sondern lediglich die Feststellung, dass paläoklimatologische Methodenfragen außerhalb seines Fachgebiets liegen.

Rhetorische Technik: Fake Expert (FLICC).


Behauptung 9: Die AR6-Grafik habe den Übergang Rekonstruktion → Messung „exakt dort", wo der industrielle Anstieg beginne – das sei ein methodischer Artefakt

Verdikt: falsch.

Figure SPM.1 des AR6 (2021) zeigt:

  • Graue Linie: PAGES-2k-Rekonstruktion 1–2000 CE, dekadisch geglättet (Neukom et al. 2019)
  • Schwarze Linie: instrumenteller Rekord 1850–2020, dekadisch geglättet
  • Beide Linien überlappen im 19. und frühen 20. Jahrhundert und stimmen dort überein.

Der Übergang ist kein Artefakt der Methodenwahl, sondern ein Stresstest: Die paläoklimatische Rekonstruktion kalibriert sich gerade an dem überlappenden Bereich. Hätten die beiden Datenquellen widersprüchliche Werte für 1850–1950 ergeben, wäre dies sofort auffällig. Sie tun das nicht.

Die Aussage „wärmste Multi-Jahrhundert-Periode der letzten 100.000 Jahre" stützt sich auf Kaufman et al. (2020), Scientific Data 7: 201 (Holocene Temperature 12k database mit 1.319 Proxy-Reihen)18 sowie auf Marcott et al. (2013) und weitere Studien. Das wärmste Holozän-Maximum lag laut Kaufman et al. (2020) bei etwa 0,7 °C über dem 19. Jahrhundert (Median, vor ca. 6.500 Jahren); die Dekade 2011–2020 liegt darüber.

Rhetorische Technik: Impossible Expectations / falsche Darstellung methodischer Standards.


Behauptung 10: „Die deutsche Klimapolitik (390 Mrd. €/Jahr, 500 Mrd. Energiewende) ruht fundamental auf dem Hockeyschläger"

Verdikt: Strohmann.

Wie unter Punkt 1 ausgeführt: Klimapolitische Entscheidungen ruhen auf einem mehrsträngigen Beweisgebäude, dessen Tragfähigkeit nicht von einer einzelnen Rekonstruktion abhängt. Selbst wenn man MBH98/99 vollständig streichen würde, blieben:

  • die instrumentellen Messreihen (über 170 Jahre globale Erwärmung um ca. 1,1 °C),
  • die CO₂-Strahlungsphysik (seit Tyndall/Arrhenius),
  • die Attributionsstudien mit Klimamodellen,
  • die mehr als ein Dutzend weiterer Paläoklima-Rekonstruktionen (PAGES 2k, Mann 2008, Kaufman 2020, Marcott 2013, Moberg 2005 etc.),
  • die unabhängigen Befunde aus Eisbohrkernen, Bohrlochthermometrie, Gletscherrückzug, Meeresspiegel, Ozeantemperatur, Treibhausgaskonzentrationen.

Die Behauptung, die Klimapolitik kollabiere mit dem Hockeyschläger, ist eine politisch motivierte Reduktion, kein wissenschaftlicher Befund.

Rhetorische Technik: Strohmann, Logical Fallacy.


Behauptung 11: „Nur Baumringe sind problematisch, Eisbohrkerne sind verlässlich"

Verdikt: falsch in beiden Teilaussagen.

PAGES 2k Consortium (2019) verwendet ein globales Multiproxy-Netzwerk aus 286 Datensätzen mit folgenden Archivtypen: Baumringe (häufigster, aber nicht einziger Typ), Korallen, Eisbohrkerne, Seesedimente, marine Sedimente, Sclerosponges, Bivalvia (Muscheln), Speleotheme und dokumentarische Quellen. Die zentrale Aussage der Studie: „Our inferences on the multi-decadal GMST variability for the Common Era are robust to all these permutations."19

Mann et al. (2008, PNAS) zeigte explizit: „Recent warmth appears anomalous for at least the past 1,300 years whether or not tree-ring data are used."20 – das Hockeyschläger-Signal bleibt auch ohne Baumringe bestehen.

Eisbohrkerne und Korallen haben eigene methodische Herausforderungen (Datierungsunsicherheit, saisonale Verzerrung), sind aber Teil desselben Multiproxy-Konsens.

Rhetorische Technik: Selektives Misstrauen.


Behauptung 12: „Die Wikinger besiedelten Grönland in der MWP, also war die MWP global so warm wie heute"

Verdikt: regional richtig, global falsch.

Die Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA, ca. 950–1250 CE) war ein regional sehr heterogenes Phänomen. Neukom, Steiger, Gómez-Navarro et al. (2019), Nature 571: 550–554, „No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era"21, zeigten anhand globaler Paläoklima-Rekonstruktionen, dass die wärmste Multi-Dekaden-Periode der letzten 2000 Jahre nicht zeitgleich an verschiedenen Orten auftrat:

  • Wärmstes Intervall im Zentral- und Ostpazifik: 15. Jahrhundert
  • Wärmstes Intervall in Nordwesteuropa und SE-Nordamerika: 17. Jahrhundert (also Kleine Eiszeit!)
  • Über den Rest der Erde: Mitte 19. Jahrhundert

Im Gegensatz dazu zeigt die jüngste Erwärmung „nearly global coherence". Wörtlich aus Neukom et al. 2019: „anthropogenic global warming is not only unparalleled in terms of absolute temperatures, but also unprecedented in spatial consistency within the context of the past 2,000 years."

Die Wikinger-Siedlungen in Südwestgrönland (Eystribyggð, Vestribyggð) sind ein regional gültiger Beleg für nordatlantische Erwärmung, kein Beleg für globale Synchronität. Die Schlussfolgerung von regional auf global ist ein Klassiker fehlerhafter Argumentation.

Rhetorische Technik: Hasty Generalization / Verwechslung regional/global.


Behauptung 13: „Das Divergenzproblem entwertet die gesamte Rekonstruktion"

Verdikt: falsch; Problem ist begrenzt und bekannt.

D'Arrigo, Wilson, Liepert & Cherubini (2008), Global and Planetary Change 60: 289–305, geben einen Übersichtsartikel zum „divergence problem" – einer post-1960-Tendenz bestimmter hochbreiten/höhenlagen-Baumringe (insbesondere Picea-Arten), die instrumentelle Erwärmung zu unterschätzen. Das Phänomen ist:

  • räumlich begrenzt: betrifft nicht alle Baumringserien, sondern primär bestimmte zirkumpolare Standorte (Briffa et al. 1998, 2004),
  • zeitlich begrenzt: erst ab ca. Mitte 20. Jahrhundert,
  • gut erklärbar: Hypothesen reichen von „global dimming" durch Aerosole über Trockenstress durch wärmere Sommer ohne mehr Niederschlag bis hin zu Ozon-/UV-B-Effekten und nichtlinearen Wachstumsschwellen.
  • methodisch handhabbar: Moderne Rekonstruktionen wie die PAGES 2k v2-Datenbank (2017) führen Screening-Verfahren ein, die divergente Reihen identifizieren.

Wichtig: Das Divergenzproblem betrifft die Kalibrierungsperiode und somit Fragen der Sensitivität, nicht aber den Befund einer beispiellosen jüngsten Erwärmung – denn diese ist instrumentell gemessen, nicht aus Baumringen rekonstruiert.

Rhetorische Technik: Impossible Expectations / Generalisierung eines Teilproblems.


Stand der Wissenschaft: Was sagt der aktuelle Konsens?

  • IPCC AR6 (2021), SPM A.2.2 (mit high confidence): „Global surface temperature has increased faster since 1970 than in any other 50-year period over at least the last 2000 years."
  • PAGES 2k Consortium 2019: Die jüngste Erwärmung ist in Ausmaß und globaler Synchronität in den letzten 2000 Jahren beispiellos.
  • Kaufman et al. 2020 (Holocene Temperature 12k Database): Die letzte Dekade ist wahrscheinlich wärmer als das Holozän-Optimum vor 6.500 Jahren – also wärmer als zu jeder Zeit der letzten ca. 11.700 Jahre.
  • Mann et al. 2008 (PNAS): Hockeyschläger-Form bleibt erhalten auch ohne Baumringe.
  • Konsens unter publizierenden Klimawissenschaftlern: Cook et al. (2013) ermittelten 97,1 % Konsens aus 11.944 Klimaabstracts. Lynas, Houlton & Perry (2021, Environmental Research Letters 16: 114005) fanden in einer Auswertung von 88.125 Klima-Aufsätzen (seit 2012) in einer Zufallsstichprobe von 3.000 Arbeiten nur vier skeptische – der Konsens liegt damit bei über 99 %22.

Stephen McIntyre hat keine einzige peer-reviewte Rekonstruktion publiziert, die einen alternativen Verlauf der letzten 1.000–2.000 Jahre liefert. Sein Output besteht überwiegend aus Blog-Beiträgen (ClimateAudit) und einer geringen Zahl von Comment-Artikeln in Geophysical Research Letters und Energy & Environment (letzteres ist keine etablierte klimatologische Fachzeitschrift). Diese Asymmetrie – fortlaufende Kritik ohne konstruktiven Beitrag – ist symptomatisch für „adversariale" Wissenschafts-Skepsis.


Zusammenfassung: Was bleibt vom NIUS-Beitrag übrig?

Praktisch nichts.

  • Das Strohmann-Argument „Klimapolitik = Hockeyschläger" ist sachlich falsch.
  • Die statistische Kritik an MBH98/99 (Punkt: PCA-Standardisierung) hatte 2005 einen Kern, ist aber durch Wahl & Ammann (2007), das NRC (2006), Huybers (2005) und nachfolgende Rekonstruktionen (PAGES 2k, Mann 2008, Neukom 2019) abgearbeitet und widerlegt.
  • Die Climategate-Erzählung ist nach neun unabhängigen Untersuchungen unhaltbar.
  • Die Berufung auf Ganteför, Fiedler, McIntyre ist klassischer Fake-Expert-Tropus.
  • Die Cherry-Picking-Darstellung von Büntgen et al. 2021 kehrt die zentrale Botschaft der Studie in ihr Gegenteil.
  • Die Lamb-Schematik von 1990 wird in eine fiktive Konsens-Erzählung umgedeutet.
  • Die Wikinger-MWP-Argumentation verwechselt Region mit Globus.

Der Beitrag bedient gezielt das Misstrauen gegen Wissenschaft und politische Institutionen – nicht durch Vorlage neuer Daten, sondern durch Wiederaufkochen von Argumenten, die zum großen Teil seit 16–20 Jahren in der Fachliteratur abgehakt sind. Er entspricht in Form und Funktion dem, was Lewandowsky und Cook (2020) als „technique-based misinformation" beschreiben.


Fußnoten


Quellenverzeichnis (Bibliographie)

Peer-reviewte Primärliteratur (zitiert):

  • Ammann, C. M. & Wahl, E. R. (2007). The importance of the geophysical context in statistical evaluations of climate reconstruction procedures. Climatic Change 85: 71–88.
  • Arrhenius, S. (1896). On the influence of carbonic acid in the air upon the temperature of the ground. Philosophical Magazine 41: 237–276.
  • Bradley, R. S. & Jones, P. D. (1993). „Little Ice Age" summer temperature variations. The Holocene 3(4): 367–376.
  • Briffa, K. R., Schweingruber, F. H., Jones, P. D., Osborn, T. J., Shiyatov, S. G. & Vaganov, E. A. (1998). Reduced sensitivity of recent tree-growth to temperature at high northern latitudes. Nature 391: 678–682.
  • Büntgen, U., Allen, K., Anchukaitis, K. J. et al. (2021). The influence of decision-making in tree ring-based climate reconstructions. Nature Communications 12: 3411.
  • Cook, J., Nuccitelli, D., Green, S. A. et al. (2013). Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature. Environmental Research Letters 8: 024024.
  • Cook, J., Oreskes, N., Doran, P. T. et al. (2016). Consensus on consensus. Environmental Research Letters 11: 048002.
  • D'Arrigo, R., Wilson, R., Liepert, B. & Cherubini, P. (2008). On the „divergence problem" in northern forests. Global and Planetary Change 60(3–4): 289–305.
  • Huybers, P. (2005). Comment on „Hockey sticks, principal components, and spurious significance". Geophysical Research Letters 32: L20705.
  • IPCC (1990). Climate Change: The IPCC Scientific Assessment. Cambridge University Press. Kapitel 7, Figure 7.1c.
  • IPCC (2021). Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the IPCC [Masson-Delmotte, V., Zhai, P. et al. (Hrsg.)]. Cambridge University Press.
  • Jones, P. D., Briffa, K. R., Osborn, T. J., Lough, J. M., van Ommen, T. D., Vinther, B. M., Luterbacher, J. et al. (2009). High-resolution palaeoclimatology of the last millennium. The Holocene 19: 3–49.
  • Kaufman, D., McKay, N., Routson, C. et al. (2020). Holocene global mean surface temperature, a multi-method reconstruction approach. Scientific Data 7: 201.
  • Lynas, M., Houlton, B. Z. & Perry, S. (2021). Greater than 99% consensus on human caused climate change. Environmental Research Letters 16: 114005.
  • Mann, M. E., Bradley, R. S. & Hughes, M. K. (1998). Global-scale temperature patterns and climate forcing over the past six centuries. Nature 392: 779–787.
  • Mann, M. E., Bradley, R. S. & Hughes, M. K. (1999). Northern Hemisphere temperatures during the past millennium. Geophysical Research Letters 26: 759–762.
  • Mann, M. E., Zhang, Z., Hughes, M. K. et al. (2008). Proxy-based reconstructions of hemispheric and global surface temperature variations over the past two millennia. PNAS 105(36): 13252–13257.
  • Mann, M. E., Rutherford, S., Wahl, E. & Ammann, C. (2007). Robustness of proxy-based climate field reconstruction methods. Journal of Geophysical Research 112: D12109.
  • Marcott, S. A., Shakun, J. D., Clark, P. U. & Mix, A. C. (2013). A reconstruction of regional and global temperature for the past 11,300 years. Science 339: 1198–1201.
  • McIntyre, S. & McKitrick, R. (2005). Hockey sticks, principal components, and spurious significance. Geophysical Research Letters 32: L03710.
  • Moberg, A., Sonechkin, D. M., Holmgren, K., Datsenko, N. M. & Karlén, W. (2005). Highly variable Northern Hemisphere temperatures reconstructed from low- and high-resolution proxy data. Nature 433: 613–617.
  • National Research Council (2006). Surface Temperature Reconstructions for the Last 2,000 Years. National Academies Press, Washington DC.
  • Neukom, R., Steiger, N., Gómez-Navarro, J. J., Wang, J. & Werner, J. P. (2019). No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. Nature 571: 550–554.
  • PAGES 2k Consortium (2013). Continental-scale temperature variability during the past two millennia. Nature Geoscience 6: 339–346.
  • PAGES 2k Consortium (Neukom, R. et al.) (2019). Consistent multi-decadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. Nature Geoscience 12(8): 643–649.
  • Tyndall, J. (1859). Note on the transmission of radiant heat through gaseous bodies. Proc. Royal Society 10: 37–39.
  • Wahl, E. R. & Ammann, C. M. (2007). Robustness of the Mann, Bradley, Hughes reconstruction of Northern Hemisphere surface temperatures. Climatic Change 85(1–2): 33–69.

Berichte unabhängiger Untersuchungen (Climategate):

  • House of Commons Science and Technology Committee (2010). The disclosure of climate data from the Climatic Research Unit at the University of East Anglia. HC 387-I.
  • Oxburgh, R. (2010). Report of the International Panel set up by UEA to examine the research of the Climatic Research Unit.
  • Pennsylvania State University (2010). RA-10 Final Investigation Report Involving Dr. Michael E. Mann.
  • Russell, M. (2010). The Independent Climate Change Emails Review.
  • US Environmental Protection Agency (2010). Endangerment Finding Petitions for Reconsideration: Volume 1.
  • US National Science Foundation, Office of Inspector General (2011). Closeout Memorandum, Case Number A09120086.

Disinformations- und Wissenschaftskommunikationsforschung:

  • Cook, J. (2020). Cranky Uncle vs. Climate Change. Citadel Press.
  • Cook, J., Lewandowsky, S. & Ecker, U. K. H. (2017). Neutralizing misinformation through inoculation. PLOS ONE 12: e0175799.
  • Diethelm, P. & McKee, M. (2009). Denialism: what is it and how should scientists respond? European Journal of Public Health 19: 2–4.
  • Lewandowsky, S. & Cook, J. (2020). The Conspiracy Theory Handbook.
  • Schleussner, C.-F. & Levermann, A. (2011). „Ganteförs Laienklimatologie." Gastbeitrag, SciLogs/KlimaLounge, 15. Februar 2011.

Geprüfter Primärtext:

  • Perrefort, F. (22. Mai 2026). „Von Baumringen und Hockeyschlägern – wie ein kanadischer Forscher das Fundament aller Klima-Politik erschütterte." NIUS, https://nius.de/.

Dieser Faktencheck wurde nach den Standards evidenzbasierter Wissenschaftskommunikation erstellt. Verbatim-Zitate aus den peer-reviewten Quellen sind durch Anführungszeichen und Seitenangaben gekennzeichnet. Die Klassifikation als „Desinformation" folgt der wissenschaftlichen Definition von Lewandowsky & Cook (2020): die irreführende Darstellung wissenschaftlicher Befunde unter Anwendung systematischer rhetorischer Techniken (FLICC), unabhängig von der subjektiven Absicht des Autors.

Footnotes

  1. Cook, J., Lewandowsky, S. & Ecker, U.K.H. (2017). Neutralizing misinformation through inoculation. PLOS ONE 12(5): e0175799. Siehe auch Cook, J. (2020), Cranky Uncle vs. Climate Change. Die FLICC-Taxonomie: Fake experts, Logical fallacies, Impossible expectations, Cherry picking, Conspiracy theories.

  2. Media Ownership Monitor Germany, Einträge zu „Nius" und „Julian Reichelt": https://germany.mom-gmr.org. Wikipedia, „Nius" (de.wikipedia.org/wiki/Nius): Betreibergesellschaft Vius SE & Co. KGaA gegründet September 2022, Plattform online seit Juli 2023.

  3. Media Bias/Fact Check, Eintrag „Nius.de" (https://mediabiasfactcheck.com/nius-de-bias-and-credibility/): Bias Rating RIGHT 6.8, Factual Reporting MIXED 5.0. Wörtliches Gesamturteil: „Overall, we rate Nius.de as Right Biased due to its consistent promotion of conservative and populist viewpoints. Its factual reporting is rated as Mixed because of its reliance on opinion-driven content, sensationalist framing, and poor sourcing practices." Vgl. auch Ayyadi, K. (2023) „Nius: Fox News in German?", Media Diversity Institute; Paulitsch, L. (2024) „Counter-narratives for self-thinkers", Journalism Research 2/2024.

  4. IPCC, 2021: Summary for Policymakers. Climate Change 2021: The Physical Science Basis. Contribution of WG I to the AR6. Cambridge University Press. Aussage A.1, S. 4.

  5. PAGES 2k Consortium (Neukom et al.) (2019). Consistent multi-decadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. Nature Geoscience 12(8): 643–649, hier S. 643 (Abstract). DOI: 10.1038/s41561-019-0400-0.

  6. IPCC AR6 WG1 SPM (2021), Aussage A.2.2, S. 8.

  7. Wahl, E. R. & Ammann, C. M. (2007). Robustness of the Mann, Bradley, Hughes reconstruction of Northern Hemisphere surface temperatures. Climatic Change 85(1–2): 33–69, Abstract S. 33.

  8. Ebd., Abstract S. 33.

  9. Ebd., Abstract S. 33. Die ausführliche statistische Argumentation und der RE-Test finden sich im Hauptteil (Abschnitt „Direct Analyses", ca. S. 51–56).

  10. National Research Council (2006). Surface Temperature Reconstructions for the Last 2,000 Years. Washington DC: National Academies Press. doi:10.17226/11676, Zusammenfassung S. 3.

  11. Büntgen, U. et al. (2021). The influence of decision-making in tree ring-based climate reconstructions. Nature Communications 12: 3411. DOI: 10.1038/s41467-021-23627-6.

  12. Pressemitteilung der University of Cambridge / ScienceDaily, 7. Juni 2021: „Experiment evaluates the effect of human decisions on climate reconstructions."

  13. Jones, P. D., Briffa, K. R., Osborn, T. J. et al. (2009). High-resolution palaeoclimatology of the last millennium: a review of current status and future prospects. The Holocene 19: 3–49.

  14. Zusammenstellung der neun Untersuchungen siehe SkepticalScience („What do the ‚Climategate' hacked CRU emails tell us?"); primäre Quellen: Penn State Final Investigation Report (Juni 2010); Muir Russell Independent Climate Change Email Review (Juli 2010); Oxburgh Scientific Assessment Panel Report (April 2010); UK House of Commons Science and Technology Committee, „The disclosure of climate data from the Climatic Research Unit at the University of East Anglia" (März 2010); US EPA Endangerment Finding Review (Juli 2010); NSF Office of Inspector General Closeout Memorandum, Case Number A09120086 (August 2011).

  15. D'Arrigo, R., Wilson, R., Liepert, B. & Cherubini, P. (2008). On the „divergence problem" in northern forests: A review of the tree-ring evidence and possible causes. Global and Planetary Change 60(3–4): 289–305.

  16. Universitätsbiographie und Wikipedia, „Gerd Ganteför": Habilitation am Forschungszentrum Jülich 1996 im Bereich Cluster- und Festkörperphysik; Forschungsschwerpunkt Photoemission von Metall- und Van-der-Waals-Clustern. Sein YouTube-Kanal „Grenzen des Wissens" ist populärwissenschaftlich.

  17. Schleussner, C.-F. & Levermann, A. (2011). „Ganteförs Laienklimatologie." Gastbeitrag auf SciLogs/KlimaLounge, 15. Februar 2011 (https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/gantefors-lainenklimatologie/); archiviert bei PIK Potsdam (publications.pik-potsdam.de, item_16732_1).

  18. Kaufman, D., McKay, N., Routson, C. et al. (2020). Holocene global mean surface temperature, a multi-method reconstruction approach. Scientific Data 7: 201. DOI: 10.1038/s41597-020-0530-7.

  19. PAGES 2k Consortium 2019 (Neukom et al.), zitiert nach PMC-Volltext (PMC6675609), Diskussion (entspricht S. 647 der gedruckten Version).

  20. Mann, M. E., Zhang, Z., Hughes, M. K. et al. (2008). Proxy-based reconstructions of hemispheric and global surface temperature variations over the past two millennia. PNAS 105(36): 13252–13257, Abstract.

  21. Neukom, R., Steiger, N., Gómez-Navarro, J. J., Wang, J. & Werner, J. P. (2019). No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. Nature 571: 550–554. DOI: 10.1038/s41586-019-1401-2.

  22. Cook, J., Oreskes, N., Doran, P. T. et al. (2016). Consensus on consensus: a synthesis of consensus estimates on human-caused global warming. Environmental Research Letters 11: 048002. Lynas, M., Houlton, B. Z. & Perry, S. (2021). Greater than 99% consensus on human caused climate change in the peer-reviewed scientific literature. Environmental Research Letters 16: 114005. Cornell-Pressemitteilung zum Lynas-Paper (20. Oktober 2021): „We are virtually certain that the consensus is well over 99% now."

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